Irene Kiele 

Die Gemälde Irene Kieles faszinieren durch ihre Ausstrahlung. Licht durchbricht die Dunkelheit, gibt Hoffnung und verhindert, dass Melancholie in Resignation umschlägt. Farbe und Licht geben den Bildern jene starke emotionale Wirkung. Immer wird die Balance zwischen den gegensätzlichen Polen Harmonie – Disharmonie, Spannung – Lösung, Rhythmik – Ruhe gehalten. Das Geometrisch-Konstruktive der gefügten und gebauten Bilder wirkt wie eine abstrakte Lichtarchitektur. Sie spannt farbige Flächen über den Abgrund, beantwortet Fläche mit Fläche.

Irene Kiele (*1942) nahm 1970 das Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst auf und gehörte zu einem der Jahrgänge, die mit den Professoren Wolfgang Mattheuer, Werner Türke und Bernhard Heisig konfrontiert wurden. Aber sie geriet nicht in den Sog einer dieser starken Künstlerpersönlichkeiten, sondern setzte sich, untypisch für Ort und Zeit, eher mit der klassischen Moderne aneinander.

Betrachtet man Irene Kieles Gemälde genauer, sieht man, dass sie Maler, wie z.B. Fritz Winter oder Paul Klee nicht nachahmt, aber sie lernte von ihnen und fügte weibliches Sehen hinzu. Sie meidet das Krasse, die spitze Ironie und kubische Aggressivität, entwickelt organische Formen von innern heraus und gibt ihnen eine sanfte Oberfläche, öffnet behutsam das Sichtbare und lässt die Bilder in sorgsamer Ausführung langsam wachsen. Irene Kiele pflanzt Formen. Ihre Bilder sind Grundmuster von Werden und Vergehen. Es sind leise Bilder, die Widerstand bestärken und zum Neuleben ermuntern – Stücke aus der dünnen Haut der Zukunft.

(Quellen: Dr. Anneliese Hübscher, Volker Frank)