Hohe Zeit

Vernissage am 13. Juni 2018, 18.00 Uhr 

Ägyptisches Museum „Georg Steindorff“ der Universität Leipzig 

Goethestraße 2, 04109 Leipzig 

Ausstellung bis 18. Oktober 2018


hier zum Download der Katalog

Britta Schulze. Hohe Zeit
Katalog Britta Schulze. Hohe Zeit.pdf (11.93MB)
Britta Schulze. Hohe Zeit
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Hohe Zeit 

Wenn die Sonne im Höchststand ist, und die Hohe Zeit beginnt, berühren sich Himmel und Erde, Mann und Frau, Kreis und Quadrat. Aus der Geometrie der Quadratur baut sich ein Kreislauf, und die Pyramide, das Auge der Hathor-Hieroglyphe, verbindet Ises und Osiris. Mit der Lust der Veränderung begegnen sich Alt und Neu - im Augenblick eines vorherrschenden Momentes, im Jetzt. 

Britta Schulze ging einen langen Weg vom Abschluss als Innenarchitektin an der Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm über ein 2-jähriges Vorpraktikum und Studium im Fach Freie Glasgestaltung an der Burg Giebichenstein bis hin zum Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Professor Arno Rink. 

Dort fiel die gebürtige Leipzigerin durch ihre schon damals intensiven Farben in der Malerei auf: neon-phosphorisierendes Orange - und das in Leipzig! Mit dieser Farbe als Statement ihres Diploms konnte sie als Rinkschülerin auch Professor Sighard Gille auf sich aufmerksam machen. Während der darauffolgenden Meisterschülerzeit bei Prof. Rolf Münzner beschäftigte sie sich intensiv mit der Figur und brachte sie als abstrahierende Form kalligrafisch auf den Lithostein. Die Sicherheit des Striches findet sich in allen ihren Arbeiten.

Assoziativ, prozesshaft, situativ - so ließe sich das künstlerische Arbeiten Britta Schulzes beschreiben. Und dabei steht immer die Frage: Was macht die Farbe mit dem Bild? Farbe dient ihr als symbolische Kraft und ausdrucksverstärkendes Mittel. Ihre Palette erinnert an die Henri Matisse. Das Leuchten, das Durchlässige, das Verwässern der Farbe bestimmen Ausdruck und Komposition. In der Bildgestaltung fühlt man sich eher an den Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner und den Neoexpressionisten Gerhard Baselitz erinnert.

Britta Schulze lässt in ihren neuesten Arbeiten den Betrachtenden in ein Thema einsteigen, dass die Mystik eines alten Reiches berührt. Im Ägyptischen Museum „Georg Steindorff“ der Universität Leipzig wirken ihre Bilder mitunter wie archäologische Funde. So lässt sich die Arbeit „Im Vergangenen“, filigran und zerbrechlich, gemalt mit Sand und Kasein auf Leinwand, nur liegend in der Vitrine ausstellen. Der Holzstock „Frau“ assoziiert eine Grabplatte. Die Vereinfachung liegt in der Auswahl aus der Vielzahl bildhafter Vorstellung über die Berührung zwischen Orient und Okzident. Das sind gemalte Köpfe, Figuren und Symboliken in abstrakter Umwandlung, geometrische Formen, die in erkennbaren Realitäten auftauchen, immer in der Lust, Neues und Altes zu verbinden.

Frank Berger (2018)